Notburgakirche Hochhausen – Ein besonderes Kulturdenkmal

Die Geschichte der Notburgakirche lässt sich über viele Jahrhunderte zurückverfolgen. Ihren Namen verdankt sie der Sage um die ortsheilige Notburga. Kunstwerke aus verschiedenen Epochen, vom Mittelalter bis heute, schaffen in der Kirche eine außergewöhnliche Rauminszenierung, die das Kulturdenkmal so besonders macht.

Notburgasage

Notburga war die Tochter König Dagoberts und sollte aus politischen Gründen einen slawischen Fürsten heiraten. Sie weigerte sich aber, weil ihr zukünftiger Gemahl Heide war, und floh zu einer Höhle am Neckarufer zwischen Hochhausen und Haßmersheim. Ihr Vater fand sie und riss ihr beim Versuch, sie gewaltsam aus der Höhle zu zerren, den linken Arm aus. Blutend blieb Notburga zurück. Eine Schlange brachte ihr Heilkräuter zur Versorgung der Wunde. Notburga lebte fortan als Einsiedlerin in der Höhle und wurde vom Volk verehrt. Über ihrem Grab wurde die Notburgakirche errichte.

Geschichte

Bereits im Jahr 950 wurde eine Basilika in Hochhausen erwähnt. Auf deren Grundmauern wurde 1340 der Chorraum der heutigen Kirche erbaut; der Bau des Kirchenschiffes war 1508 abgeschlossen. Noch heute sind zahlreiche Epitaphien, Malereien und Kunstwerke aus dem Mittelalter in der Notburgakirche erhalten. Ergänzt werden diese durch mehrere zeitgenössische Werke des bekannten Künstlers Jürgen Goertz.

Sehenswürdigkeiten

Wandmalereien

Der Malereizyklus aus der Zeit um 1500 zeigt in 22 Einzelbildern das Leben der Notburga. So sollte die Sage damals von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Bilderwand wurde in der Zeit nach der Reformation weiß übertüncht, konnte später aber wieder freigelegt werden.


Epitaphien

Die Hornecken von Hornberg residierten auf Schloss Hochhausen und waren ab 1300 die ersten Patronatsherren der Notburgakirche. Mit dem Patronat war auch die Grablege in der Kirche verbunden. Die hochwertigen Steinmetzarbeiten der Grabdenkmäler aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind ein Indiz für den damaligen Reichtum der Familie.


Gewölbemalereien

Die Deckenmalereien im Chorraum sind auf das Jahr 1344 datiert. Die gotischen Rippenbögen sind mit bunten Ornamenten verziert. Im Kreuzgewölbe befindet sich das Lamm als Sinnbild für Jesus Christus, umgeben von Medaillons, welche die Attribute der vier Evangelisten abbilden.


Historische Buntglasfenster

Die mittelalterlichen Buntglasfenster in der Seitenkapelle stammen aus dem Jahr 1496 und zeigen eine Kreuzigungsszene sowie die Stifter diverser spätgotischer Kunstwerke. Für die Fenstergestaltung wurden kostbare Naturfarben verwendet, die bis heute ihre Brillanz bewahrt haben.


Grabdenkmal der Notburga

Das Grabdenkmal zeigt Notburga gemäß der Legende ohne linken Arm mit einer Schlange. Das genaue Alter der Plastik ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass das Grabdenkmal Gegenstand der Verehrung bei Wallfahrten Ende des 15. Jahrhunderts gewesen ist.


Kreuzigungsgruppe

Maria und Johannes schauen voll Trauer auf den gekreuzigten Jesus. Die Figuren sind aus Lindenholz geschnitzt und stammen aus der Werkstatt des Heilbronner Bildhauers Hans Seyffer. In die Notburgakirche kam die Kreuzigungsgruppe im Jahr 1510, gestiftet von Bartholomäus Horneck von Hornberg.


Altarbild

Das spätgotische Retabel, eines der schönsten und kunsthistorisch wertvollsten Altarbilder im nordbadischen Raum, entstand vermutlich zwischen 1510 und 1517. Die Mitteltafel zeigt eine Kreuzabnahme-Szene. Auf vier heute feststehenden Seitenflügeln sind Apostel und Heilige dargestellt. Der Maler ist nicht bekannt.


Der verlorene Sohn

Das moderne Aluminium-Relief von Jürgen Goertz zeigt das biblische Gleichnis des verlorenen Sohnes. Der Sohn empfängt die Hand seines barmherzigen Vaters, die als Stulphand dargestellt ist. Das Gesicht des Sohnes ist ein Selbstbildnis des 1939 geborenen Künstlers.


Glockenzier

Kurz nach dem Atomunfall in Tschernobyl 1986 entwarf Jürgen Goertz die Glockenzier und griff dabei dieses Ereignis auf. Die Zier zeigt einen Engel, der über einer Atomwolke schwebt und diese von der Erde wegbläst. Die Erde, als Kugel dargestellt, trägt die Inschrift „1986, Amen“.


Moderne Buntglasfenster

Zwischen 2016 und 2020 gestaltete Jürgen Goertz drei Buntglasfenster zu den Themen Notburga, Flucht und Zuflucht sowie Mose und die Zehn Gebote. Dabei verwendete der Künstler sowohl neue Glasplatten als auch Fragmente aus alten Kirchenfenstern. Die unterschiedlichen Strukturen und Oberflächen erzeugen eine besondere Wirkung.