Wissenswertes rund um die Notburgakirche

Vor Ort lässt sich die Notburgakirche am besten erkunden, zum Beispiel bei einer Führung. Wer keine Möglichkeit für einen persönlichen Besuch hat, findet hier Wissenswertes rund um das Kulturdenkmal:

Notburgasage

Der Legende nach lebte Notburga im 7. Jahrhundert. Sie war die Tochter König Dagoberts und sollte aus politischen Gründen einen slawischen Fürsten heiraten. Sie weigerte sich aber, weil ihr zukünftiger Gemahl Heide war, und floh zu einer Höhle am Neckarufer zwischen Hochhausen und Haßmersheim. Ihr Vater fand sie und riss ihr beim Versuch, sie gewaltsam aus der Höhle zu zerren, den linken Arm aus. Blutend blieb Notburga zurück. Eine Schlange brachte Heilkräuter zur Versorgung der Wunde. Notburga lebte fortan als Einsiedlerin in der Höhle und wurde vom Volk für ihre Standhaftigkeit verehrt. Über ihrem Grab wurde die Notburgakirche errichte.

Die Notburgasage existiert in verschiedenen Varianten. Reinhardt von Gemmingen, der Ältere, schriebt die Sage erstmals 1631 in seiner Familiengeschichte nieder. Die Gebrüder Grimm schmückten die Geschichte weiter aus und nahmen sie 1816 in ihre Sagenschatz-Sammlung auf. Dadurch wurde die Sage einem breiteren Publikum bekannt.

Geschichte der Notburgakirche

Geschichtliche Entwicklung der Notburgakirche (Quelle: Förderverein Notburgakirche Hochhausen e. V.)

Vom Mittelalter bis heute

Bereits im Jahr 950 wurde eine Basilika in Hochhausen erwähnt. Auf deren Grundmauern erbaute man 1340 den Chorraum, der noch heute zu sehen ist. Im Jahr 1492 wurde die Kirche der ortsheiligen Notburga geweiht und damit zum Wallfahrtsort. Die damaligen Grundherren investierten das Geld, das sie in den darauffolgenden Jahren von den Pilgern einnahmen, in die Ausstattung der Kirche. Sie ließen 1496 eine Seitenkapelle anbauen. Der Bau des Kirchenschiffes war 1508 abgeschlossen. Die Notburgakirche blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, dennoch sind zahlreiche Epitaphien, Malereien und Kunstwerke aus dem Mittelalter bis heute erhalten. In den vergangenen Jahren kamen mehrere zeitgenössische Werke des bekannten Künstlers Jürgen Goertz hinzu.

Auszug aus der Chronik der Notburgakirche

  • 950: Basilika in Hochhausen wird erstmals erwähnt
  • 1300: Die Herren Horneck von Hornberg erhalten Hochhausen zu Lehen
  • 1340: Bau des Chorraums auf den Grundmauern der Basilika
  • 1492: Kirche wird der ortsheiligen Notburga geweiht und zum Wallfahrtsort
  • 1496: Anbau der Seitenkapelle
  • 1508: Abschluss des Baus des Langhauses
  • 1510-1517: Kreuzigungsgruppe und Flügelaltar kommen in die Kirche
  • 1751: Die Freiherren von Helmstatt erhalten Hochhausen zu Lehen
  • 1977: Kreuzigungsgruppe wird aus der Notburgakirche gestohlen
  • 1984: Kunstwerk „Der verlorene Sohn“
  • 2003: Kreuzigungsgruppe kommt zurück in die Kirche
  • 2014: Renovierung der Kirche und Generalüberholung der Orgel
  • 2016: Buntglasfenster „Notburga wieder mit zwei Armen“
  • 2018: Buntglasfenster „Von Flucht und Zuflucht“
  • 2020: Buntglasfenster „Mose: die Zehn Gebote“

Sehenswürdigkeiten: mittelalterliche und moderne Kunst

Wandmalerei in der Notburgakirche (Foto: C. Bock)

Wandmalereien

Der Malereizyklus aus der Zeit um 1500 zeigt in 22 Einzelbildern das Leben der Notburga. So sollte die Sage damals von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Bilderwand wurde in der Zeit nach der Reformation weiß übertüncht, konnte später aber wieder freigelegt werden.


Epitaphien

Die Hornecken von Hornberg residierten auf Schloss Hochhausen und waren ab 1300 die ersten Patronatsherren der Notburgakirche. Mit dem Patronat war auch die Grablege in der Kirche verbunden. Die hochwertigen Steinmetzarbeiten der Grabdenkmäler aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind ein Indiz für den damaligen Reichtum der Familie.

Grabdenkmäler der Familie Horneck von Hornberg (Foto: C. Bock)

Deckenmalerei im Chor der Notburgakirche

Gewölbemalereien

Die Deckenmalereien im Chorraum sind auf das Jahr 1344 datiert. Die gotischen Rippenbögen sind mit bunten Ornamenten verziert. Im Kreuzgewölbe befindet sich das Lamm als Sinnbild für Jesus Christus, umgeben von Medaillons, welche die Attribute der vier Evangelisten abbilden.


Historische Buntglasfenster

Die mittelalterlichen Buntglasfenster in der Seitenkapelle stammen aus dem Jahr 1496 und zeigen eine Kreuzigungsszene sowie die Stifter diverser spätgotischer Kunstwerke. Die kostbaren Naturfarben, die bei der Fenstergestaltung zum Einsatz kamen, haben bis heute ihre Brillanz bewahrt.

Historische Buntglasfenster in der Seitenkapelle der Notburgakirche

Grabdenkmal der Notburga (Foto: C. Bock)

Grabdenkmal der Notburga

Das Grabdenkmal zeigt Notburga gemäß der Legende ohne linken Arm mit einer Schlange. Das genaue Alter der Plastik ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass das Grabdenkmal Gegenstand der Verehrung bei Wallfahrten Ende des 15. Jahrhunderts war.


Kreuzigungsgruppe

Maria und Johannes schauen voll Trauer auf den gekreuzigten Jesus. Die Figuren sind aus Lindenholz geschnitzt und stammen aus der Werkstatt des Heilbronner Bildhauers Hans Seyffer. In die Notburgakirche kam die Kreuzigungsgruppe im Jahr 1510, gestiftet von Bartholomäus Horneck von Hornberg.

Kreuzigungsgruppe in der Notburgakirche

Spätgotischer Flügelaltar in der Notburgakirche

Altarbild

Das spätgotische Retabel, eines der schönsten und kunsthistorisch wertvollsten Altarbilder im nordbadischen Raum, entstand vermutlich zwischen 1510 und 1517. Die Mitteltafel zeigt eine Kreuzabnahme-Szene. Auf vier heute feststehenden Seitenflügeln sind Apostel und Heilige dargestellt. Der Maler ist nicht bekannt.


Der verlorene Sohn

Das moderne Aluminium-Relief von Jürgen Goertz zeigt das biblische Gleichnis des verlorenen Sohnes. Der Sohn empfängt die Hand seines barmherzigen Vaters, die als Stulphand dargestellt ist. Das Gesicht des Sohnes ist ein Selbstbildnis des 1939 geborenen Künstlers.

Aluminiumrelief "Der verlorene Sohn" (Künstler: J. Goertz; Foto: C. Bock)

Glockenzier Notburgakirche (Künstler: J. Goertz)

Glockenzier

Kurz nach dem Atomunfall in Tschernobyl 1986 entwarf Jürgen Goertz die Glockenzier und griff dabei dieses Ereignis auf. Die Zier zeigt einen Engel, der über einer Atomwolke schwebt und diese von der Erde wegbläst. Die Erde, als Kugel dargestellt, trägt die Inschrift „1986, Amen“.


Moderne Buntglasfenster

Zwischen 2016 und 2020 gestaltete Jürgen Goertz drei Buntglasfenster zu den Themen Notburga, Flucht und Zuflucht sowie Mose und die Zehn Gebote. Dabei verwendete der Künstler sowohl neue Glasplatten als auch Fragmente aus alten Kirchenfenstern. Die unterschiedlichen Strukturen und Oberflächen erzeugen eine besondere Wirkung.

Moderne Buntglasfenster in der Notburgakirche (Künstler: J. Goertz; Foto: C. Bock)